Buyer Personas gehören zu den Tools, die in vielen B2B-Teams „irgendwie“ existieren, aber selten wirklich genutzt werden. Das liegt meistens nicht am Konzept, sondern am Ergebnis: zu theoretisch, zu viel Bauchgefühl, zu wenig Anschluss an Content, Kampagnen und den Vertriebsalltag.
Was ist eine Buyer Persona und wo liegt die Besonderheit im B2B?
Eine Buyer Persona ist ein verdichtetes Profil eines typischen und relevanten Käufertyps. Relevant heißt im B2B-Kontext, dass diese Persona eine bestimmte Kaufentscheidung messbar beeinflusst, blockiert oder sie vorantreibt.
Der entscheidende Unterschied zur B2C-Welt liegt selten in der Definition, sondern in der Realität des Einkaufs. Im B2B nämlich:
- Werden Entscheidungen im Buying Center getroffen, nicht durch eine einzelne Person
- Sind Entscheidungen an sowohl fachliche als auch wirtschaftliche Bedingungen gekoppelt
- Und Verkaufszyklen (Sales Cycles) dauern länger und mit der Kaufentscheidung verbundene Informationen werden in mehreren Etappen bewertet
Wer im B2B eine Buyer Persona erstellen will, muss – neben der Sammlung von Zielen und Pain Points der Zielgruppe – auch verstehen, wie diese Risiken bewertet, welche internen Abhängigkeiten bestehen und was diese braucht, um intern Zustimmung zu bekommen. In diesem Zusammenhang ist auch eine Go-to-Market-Strategie im B2B-Umfeld entscheidend. Wir haben euch alles Wissenswerte dazu hier aufgeführt.
Ideal Customer Profile vs. Buyer Persona
Eine häufige Stolperfalle in der Praxis markiert die Vermischung zwischen dem sogenannten Ideal Customer Profile (ICP) und der Buyer Persona. Das Ideal Customer Profile auf der einen Seite beschreibt, welche Unternehmen ihr gewinnen wollt (Branche, Größe, Tech-Stack, Reifegrad). Wohingegen die Buyer Persona aufzeigt, welche Anspruchsgruppen im Unternehmen entscheiden, prüfen, empfehlen oder sogar blockierend wirken.
In der Praxis ist vor allem das Zusammenspiel entscheidend. Denn der ICP hilft bei Targeting und Priorisierung. Die Buyer Persona wirkt ergänzt dazu und sorgt dafür, dass Sprache, Argumentation, Content und Enablement wirklich zur Zielgruppe passen.
Buyer Persona Template: Worauf es wirklich ankommt
Im B2B sind bei der Erstellung einer Buyer Persona drei Bereiche besonders wichtig: Der Kontext, die Entscheidung und die letztliche Aktivierung. In der nachfolgenden Buyer Persona Vorlage haben wir für euch Schritt für Schritt die wichtigsten Stufen bei der Erstellung sowie damit verbundene elementare Punkte, die ein zielführendes und sinnvolles Buyer Persona Template enthalten muss, aufgeführt.
- Rolle & Kontext
– Rollenbezeichnung (z. B. „IT-Leitung“, „Head of Marketing Ops“)
– Verantwortungsbereich
– Typische Projekte/Initiativen
– Entscheidungsbeteiligung (Entscheider, Influencer, Gatekeeper, Nutzer) - Ziele, Trigger und Risiken
– Primäres Ziel (was soll besser werden?)
– Business Trigger (was löst Handlungsdruck aus?)
– Haupt-Risiken (was darf nicht passieren?)
– Einwände (warum „jetzt nicht“?) - Informations- und Entscheidungsverhalten
– Informationsquellen (intern/extern)
– Kriterienliste (Must-haves vs. Nice-to-haves)
– Stakeholder, die überzeugt werden müssen
– Typische Entscheidungsdauer und Schritte - Messaging & Aktivierung
– Kernbotschaften (3 Aussagen, die sitzen müssen)
– Proof (welche Belege zählen: Use Cases, Zahlen, Referenzen)
– Content-Bedarf je Phase (Awareness, Consideration, Decision)
– Nächster sinnvoller CTA (Demo, Workshop, Audit, Template)
Schritt-für-Schritt: B2B Buyer Persona erstellen in 7 Schritten
Damit der Prozess nicht zur Endlos-Analyse wird, arbeitet ihr am besten mit einem klaren Vorgehen. Das bedeutet: Jeder Schritt endet mit einem greifbaren Ergebnis.
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Ziel festlegen: Wofür wird die Persona gebraucht?
Bevor ihr beginnt, setzt euch zwingend mit der Frage auseinander, wofür ihr die Buyer Persona genau erstellen wollt. Das klingt banal, spart aber enorm viel Zeit.
Typische Ziele im Rahmen dieses ersten Schrittes können dabei sein:– Content priorisieren und Themen sauber entlang der Fragen ausrichten
– Paid-Kampagnen schärfen (Angle, Proof, CTA)
– Sales-Outreach und Einwandbehandlung verbessern
Je klarer der Anwendungsfall, desto leichter wird die Buyer Persona später akzeptiert. - Ausgangspunkt wählen: ICP-Segment und Use Case eingrenzen
Startet nicht mit „unsere Zielgruppe“, sondern mit einem konkreten Segment.
Das kann sein:
– ein ICP-Cluster (z. B. SaaS, 50–500 MA, bestimmter Reifegrad)
– ein Use Case (z. B. „Lead Management automatisieren“)
Diese Eingrenzung verhindert, dass ihr eine Persona baut, die alles abdecken soll und am Ende zu generisch bleibt. - Datenquellen bündeln
Für eine belastbare Persona reichen oft wenige, aber gute Quellen. Wichtig ist hierbei nur, dass ihr nicht nur Meinungen sammelt, sondern nach einem konkreten Muster vorgeht.
Bewährt haben sich in diesem Zusammenhang:
– CRM-Daten: won deals / lost deals, Deal-Gründe, Sales-Cycle-Länge
– Sales-Notizen: Einwände, Stakeholder, Kriterien
– Customer Success oder Impulse aus dem Support, unter anderem bei häufigen Problemen nach dem Kauf
– Website/Analytics: Einstiegsseiten, wiederkehrende Fragen, Conversion-Pfade - Die richtigen Fragen stellen
Im Rahmen des Erstellungsprozesses einer Buyer Persona dreht sich viel darum, welche Fragen wirklich belastbare Erkenntnisse liefern. Ein einfacher Trick ist dabei, die Fragen nach einer logischen Abfolge anzuordnen und so zunächst den Kontext, dann die Entscheidung und zuletzt die Aktivierung zu beleuchten.
In der Praxis könnte das folgendermaßen aussehen:
Start (Kontext):
– Was ist der Auslöser, dass ihr euch gerade damit beschäftigt?
– Wer ist außer euch involviert und warum?
Mitte (Entscheidung):
– Welche Kriterien sind nicht verhandelbar?
– Was wäre ein No-Go?
– Welche Risiken müsst ihr intern absichern?
Ende (Aktivierung):
– Welche Art von Belegen überzeugt am meisten?
– Was wäre ein nächster, sinnvoller Schritt, bevor ihr euch festlegt?
Damit entsteht eine Persona, die nicht nur „Probleme“ beschreibt, sondern echte Entscheidungslogik sichtbar macht. - Muster clustern und Persona-Entwurf erstellen
Jetzt geht es darum, aus Einzelaussagen ein Profil zu erstellen.
Fragt euch dabei bewusst:
– Welche Aussagen wiederholen sich unabhängig von der Person?
– Welche Unterschiede sind wirklich entscheidungsrelevant?
Erstellt zunächst 1–2 Entwürfe. Denn gerade im B2B gilt: Ein kleines Persona-Set wird genutzt, ein zu großes wird oft ignoriert. - Validieren
In diesem Schritt folgt der praktische Härtetest und die ehrliche Auseinandersetzung damit, ob die ausgemachte Buyer Persona mit der Realität standhalten kann.
Praktische Checks können dabei sein:
– Sales-Review: Trifft das auf echte Deals zu?
– Win/Loss-Abgleich: Erklärt die Persona, warum Deals gewonnen oder verloren wurden?
– Customer-Check: 1–2 Rückfragen an Bestandskunden (kurz, konkret) - Aktivieren: Aus Persona wird ein System
Wurden die vorherigen Schritte allesamt durchlaufen, ergeben sich auf Basis der Ergebnisse weitere sinnstiftende Synergien für Content, Werbeanzeigen, Sales und die eigene Website.
– Content: Fragen und Einwände werden zu Blogartikeln, Guides, Checklisten.
– Paid: Argumentation und Proof-Formate werden zu Ad-Angles.
– Sales: Kriterienliste und Risiken werden zu Discovery-Fragen und One-Pagern.
– Website: Einstiegsseiten und CTAs werden je Phase geschärft.
Wichtig ist dabei nur, dass pro Phase der Buyer Journey (Awareness, Consideration, Decision) immer genau nur eine Entscheidungshürde zu adressieren ist, statt alles gleichzeitig erklären zu wollen.
Häufige Fehler bei der Erstellung einer Buyer Persona
Zu viel Demografie, zu wenig Entscheidung
Alter und Wohnort sind im B2B selten entscheidend. Relevanter sind eher Faktoren, wie Verantwortungslogik (KPI, Budget, Risiko), interne Abhängigkeiten oder Entscheidungskriterien.
Buyer Persona ohne Buying Center
Eine Persona als „der Entscheider“ greift häufig zu kurz. Zielführender ist es, die jeweiligen Rollen im Buying Center sichtbar zu machen. Typisch sind dabei einerseits die Hauptpersona, welche die Entscheidung vorantreibt, gefolgt von der sogenannten Blockerpersona (Risiko, Compliance, IT) und der letztlichen Nutzerpersona (Alltag, Akzeptanz). So wird aus „Personas erstellen“ ein Bild, das in echten Deals funktioniert.
Buyer Persona Template ohne Aktivierung
Ein Buyer Persona Template ist nur dann ein Asset, wenn es im Anschluss in klare Prozesse übersetzt wird. Sinnvolle Anker sind dabei die Content-Planung, das Sales-Enablement oder die Website- und CTA-Logik.
Fazit: Die Buyer Persona als unverzichtbarer Bestandteil im B2B
Wenn ihr eine Buyer Persona erstellen wollt, die nicht irgendwann in der Schublade verschwindet, kommt es darauf an, ein Template zu erstellen, das Entscheidungslogiken berücksichtigt und einen Prozess skizziert, der zur Aktivierung anregt. Ein zielführendes Buyer Persona Template vereint Marketing und Sales, indem es unter anderem auf Fragen eingeht, wie: Welche Inhalte können infolge der Erstellung der Buyer Persona erstellt oder welche Einwände können im Sales damit proaktiv entkräften werden und durch welche Handlungsaufforderung (CTA) wird eine tatsächliche Aktivierung sichergestellt.
Ihr habt Fragen zur Buyer Persona oder sucht nach Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung in Marketing und Sales? Unsere Experten beraten euch gerne zu all euren Fragen und helfen euch dabei Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, die auch wirklich zu euch passen.